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Rollstuhl-Rugby - ein Mannschaftsspiel für
Rollstuhlfahrer mit Armbehinderungen
von Horst Strohkendl, Vorsitzender Ausschuss Reha + Nachwuchs
Indirekt und bis zu einem bestimmten Grad, hat Rollstuhl-Rugby
auch mit Rollstuhl-Basketball zu tun. Eine häufig von
Laien gestellte Frage lautet: Sind die Körbe genau
so hoch, wie bei den Fußgängern? Bei Spielergebnissen
von 60, 70 oder 80 Punkten, nicht nur bei den Männern,
sondern auch bei den Frauen, beim Werfen auf den normalen,
3,05m hohen Korb, erübrigt sich schnell eine Antwort.
Zumindest tritt sie völlig in den Hintergrund, wenn man
ein Rollstuhl-Basketball als Zuschauer erleben kann.
Nun gibt es in der Tat auch Rollstuhlfahrer, bei denen nicht
nur die Beine und der Rumpf von der Lähmungen betroffen
sind, sondern auch Teile der Arm- und Handfunktionen. Sie
können aufgrund der funktionellen Einschränkungen
einen normalen Basketball nicht in den Korb werfen. Diese
Halsquerschnittgelähmten, oder auch Tetraplegiker
genannt, haben Ende der 70er Jahre in Kanada ein eigenes Mannschaftsspiel
ohne Basketballkörbe entwickelt:
Rollstuhl-Rugby ist ein heftige Rollstuhlkontakte erlaubendes
Kampfspiel auf einem
Basketball Spielfeld, dessen Spielidee sich der des Rugbysports
anlehnt. Heftige Kollisionen, bei denen der Körper durchgeschüttelt
wird, oder gar gelegentliche Stürze mit dem Rollstuhl
schockierte besorgte Ärzte, Therapeuten und Angehörige.
Ihre Antwort, auf den übersteigerten Wunsch der schwerstbehinderten
Rollstuhlfahrer nach Risiko und sportlichem Erleben, äußerte
sich in ihrem verzweifelten Ausruf: MÖRDERBALL!
Eine wirkliche Vorstellung von der Dynamik und Spannung die
Rollstuhl-Rugby erzeugt, kann nur durch das konkrete Erlebnis
als Zuschauer erfahren werden. Nach anfänglicher Verunsicherung
vergisst man sehr schnell, dass dies schwerstbehinderte Halsquerschnittgelähmte
und funktionell vergleichbare andere körperbehinderte
Rollstuhlfahrer sind, die auf dem Spielfeld rasant und kräftezehrend
bis zur Erschöpfung um den Sieg kämpfen. Diese außerordentlich
positive Erfahrung über die Kompensationsfähigkeit
und Kreativität von schwerstbehinderten Rollstuhlfahrern
zu erleben, bietet in vielfältiger Weise das Kölner
Bernd-Best-Turnier. Damit man dem Geschehen besser folgen
kann, hier einige Regeln:
1. Allgemeine Regeln
Schaubild: Basketball-Spielfeld mit 8 m breitem Tor an beiden
Endlinien und der davor befindlichen 1,75 m tiefen Zone.
2 Mannschaften: je 4 Feldspieler mit bis zu 8 Auswechselspielern,
Trainer; Assistenten, Betreuer
Spielball: griffiger Volleyball
Spielgerät: Offensiv Rollstuhl mit seitlicher Verkleidung,
um ein Halten durch den
Gegner zu erschweren; defensiv Rollstuhl, um mit dem vorne
ausladenden Bumber den Gegner zu blockieren.
Tore/Punkte: Ein Spieler mit Ball fährt mit we nigsten
2 Rädern über die gegnerisch Torlinie (Touch-down).
Jedes auf diese Weise erzielte Tor zählt einen Punkt.
Spielzeit: 4 Viertel zu 8 Minuten effektive Spielzeit. Gemessen
wird die reine Spielzeit zwischen dem ersten Kontakt eines
Spielers mit dem Ball auf dem Spielfeld bis zum Pfiff eines
der Schiedsrichter (z.B. läuft die Uhr nicht beim Einwurf
an der Seitenlinie oder nach einem Tor an der Endlinie.)
Sieger: Die Mannschaft ist Sieger, die am Ende der Spielzeit
mehr Tore /Punkte erzielt hat. Bei Punkte Gleichstand gibt
es eine oder mehrere 3-minütige Verlängerungen,
bis ein Sieger feststeht.
Schiedsrichter: 2 Feldschiedsrichter und 3 Tischschiedsrichter
(Zeitnehmer, Anschreiber & Strafbox Anschreiber).
2. Spezifische Spielregeln
a) Regeln zum Bilden des Gleichgewichts zwischen den Angriffs-
und Abwehraktionen zur Förderung der Ungewissheit über
den jeweiligen Erfolg
» Erlaubte Aktionen beider Mannschaften:
Der Ball kann in alle Richtungen geworfen, gerollt oder geschlagen
werden. Der Ball kann vom Gegenspieler erobert werden durch
Stören beim Fangen, Werfen oder Transportieren des Balls
auf dem Schoß sowie durch Abfangen von Pässen oder
Zwingen des Gegners durch legale Rollstuhlkontakte die Spielfeld
Linien zu erqueren. Dabei sind Stöße, Einklemmen
und Halten mit dem Rollstuhl erlaubt.
» Nicht erlaubte Aktionen der Mannschaften:
übermäßiger Rollstuhlkontakt, vor allem von
hinten und hinter der Achse des interrades. Jeglicher Körperkontakt!
Das Spielfeld darf nicht verlassen werden, insbesondere um
sich damit einen Vorteil zu verschaffen. Beim Einwurf darf
erst nach Pfiff des Schiedsrichters Rollstuhl-Kontakt zum
Gegner aufgenommen werden. Beim Einwurf muss ein Abstand von
1m vom Einwerfer gehalten werden. Unfaires Reden, Schimpfen,
Kritisieren und ein Verhalten, dass die Spielablauf verzögert.
»Einschränkungen der Mannschaft in Ballbesitz:
» 10 Sekunden Dribbling; nach 10 Sekunden muss der Einwurf
erfolgt sein; in 15 Sek. muss der Ball das Vorfeld berührt
haben; ein Angreifer darf nur 10 Sek. in der Zone des Gegners
stehen.
» Der Ball darf nicht mehr ins Rückfeld gespielt
werden. Mindestens zwei Räder
müssen die Torlinie berühren, um ein Tor zu erzielen.
»Einschränkungen der verteidigenden Mannschaft:
Nur 3 der 4 Abwehrspieler dürfen zur gleiche n Zeit in
der Zone stehen. Die Torlinie darf nicht mit dem Rollstuhl (Räder) berührt werden.
Beim Angriff auf den Ball im Schoßbereich ist jegliche Körperberührung
ein Foul.
b) Chancengleichheit auf Erfolg
» Wechsel des Ballbesitz nach jedem Tor mit Einwurf
von der Endlinie
» Wechsel des Ballbesitzes nach jedem Halteball (keine
Mannschaft kann den Ball spielen!)
»Wechsel des Ballbesitz nach jedem Viertel
»Klassifizierung der Spieler mit ansteigenden Funktionen
mit 0,5; 1,0; 1,5; 2,0; 2,5; 3,0; 3,5 Punkten und einem Limit
von 7,0 Punkten der vier Spieler auf dem Spielfeld.
» Jede Mannschaft hat 4 Auszeiten
c) Sportlichkeit und Fairness
»Fouls der Spieler der ballbesitzenden Mannschaft:
Verlust des Ballbesitz.
» Fouls der Spieler der verteidigenden Mannschaft: 1
Minute Strafbox oder bis zum
nächsten Tor des Gegners.
»Unfaires Verhalten eines Spielers beider Mannschaften:
1 Minute Strafbox oder bis
zum nächsten Tor des Gegners.
Zusatz Regeln beim Bernd-Best-Turnier:
»Beim Bernd-Best-Turnier kommt bei Ergebnisgleichstand
am Ende der regulären
Spielzeit die 'Golden Goal' Regel zur Anwendung. Danach ist
Sieger, wer in der
Verlängerung als erster 3 Tore erzielt.
» In der Champions-League gilt:
- Ball vom Rückfeld ins Vorfeld bringen: 12 Sekunden
Limit.
- Ball im Vorfeld: 24 Sekunden Limit, um ein Tor zu erzielen.
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